Selbst das herrliche Sommerwetter beim 2. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship auf dem Misano World Circuit an der italienischen Adria konnte die Laune des Schweizer Piloten Markus Bösiger nicht verbessern. Das Rennwochende war laut Bösiger eher zum Abhaken. Vor insgesamt mehr als 30.000 Zuschauern waren die Trainingsläufe noch akzeptabel, dennoch war der Schweizer mit seinem Renault Truck von MKR Technology nicht so recht zufrieden. In der ersten SuperPole der Top-Ten-Piloten des Zeittrainings konnte Bösiger nicht mehr weiter zulegen und holte sich leicht enttäuscht nur den 6. Startplatz – wobei die ersten 6 aber auch gerade mal 1 Sekunde auseinander lagen.
Andererseits erschwert diese enorme Leistungsdichte natürlich auch das Überholen während des Rennens. Eigentlich kann man nur auf Fehler der Vorderleute hoffen – doch die machten keine Fehler. Der deutsche MAN-Pilot Jochen Hahn fuhr einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen. Sein spanischer Markenkollege Antonio Albacete nutzte schon anfangs leichte Unachtsamkeiten von Bösigers Teamkollegen Markus Oestreich (GER) und Adam Lacko (CZE), um sich auf den 2. Rang vorzukämpfen. Hinter Uwe Nittel (GER) auf MAN kam Bösiger über den 6. Rang nicht hinaus.
Im zweiten Tagesrennen starten die acht Erstplatzierten in umgekehrter Reihenfolge. Die Pole hatte Buggyra-Pilot David Vrsecky (CZE), in der Reihe dahinter lagen Bösiger und Nittel. Der Schweizer lag knapp vor dem Deutschen, als es in die erste Kurvenkombination ging. Nittel versuchte in einer Linkskurve innen am Renault vorbeizuziehen, doch da stand ein Reifenstapel. Den nahm Nittel voll mit, drängte immer weiter nach außen und Bösiger von der Piste. Der Langenthaler Pilot blieb mit gerissenem Luftschlauch liegen, nach wenigen Hundert Metern war für ihn das Rennen schon zu Ende. Nittel dagegen sorgte wenig später für einen der spektakulärsten Crashs der letzten Jahre, als er in einer 90 Grad-Kurve mit voller Wucht auf Vrseckys Buggyra donnerte. Beide Trucks blieben schwer beschädigt liegen. Der Sieg ging erneut an Hahn vor Oestreich und Albacete.
Der Sonntag begann für Bösiger wieder mit dem 6. Platz in der SuperPole, erneut hinter Nittel. Doch wegen seiner Aktionen vom Vortag wurde der Deutsche in der Startaufstellung um 5 Plätze nach hinten verbannt. Und das anschließende Rennen war aus Bösigers Sicht der einzige Lichtblick des Wochenendes. Den Start überstand der Schweizer höchst unbeschadet, und als sich seine vor ihm liegenden Teamkollegen Lacko und Oestreich ins Gehege kamen, war der Weg frei für den 3. Platz. Vor ihm lag nur noch das erneut unglaublich auftrumpfende MAN-Duo Hahn und Albacete. Mit höchst gemischten Gefühlen gingen die Piloten ins letzte Rennen des Wochenendes – in Erinnerung des Vortags. Tatsächlich ging es nun wesentlich gesitteter zu, auch wenn am Ende sehr viel Plastik auf der Strecke verteilt war. Bösiger hatte keinen optimalen Start und verlor in der Anfangsphase bereits zwei Plätze. Nachdem Lacko nach einem harten Crash mit einem Reifenstapel ausgefallen war, rückte der Schweizer einen Platz vor. Doch während Hahn, Albacete und letztendlich auch der vom 10.Platz aus gestartete Oestreich sich nach vorn durchkämpfen konnten, blieb Bösiger 6 Runden lang hinter dem Franzosen Anthony Janiec (Renault) hängen. Erst im allerletzten Moment zog der Schweizer an Janiec vorbei und sicherte so hinter Nittel und Oestreich den 6. Rang. Die Podiumsplätze gingen erneut an Hahn und Albacete sowie den Engländer Chris Levett auf Buggyra.
Zusammen mit Oestreich holte Bösiger in allen vier Rennen in der Teamwertung jeweils den zweiten Platz für MKR-Technology.
Bösiger war mit diesem Wochenende ganz und gar nicht zufrieden. Der RaceTruck lief nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Und dann übte er scharfe Kritik an der Fahrweise mancher Kollegen. „Schon in Donington habe ich nach dem letzten Rennen, bei dem ja auch die Fetzen nur so geflogen sind, gesagt, wer Stock-Car-Rennen fahren will, der soll woanders starten, und nicht in der Truck-EM. Aus meiner Sicht war das ein Wochenende zum Abhaken, wenn das weiter so geht, verliert man ja den Spaß am Truckracing“, meinte der Schweizer etwas frustriert als er sich nach dem letzten Rennen den Helm vom Kopf nahm. Die Führung im Championat hat nun Hahn mit 90 Punkten vor Albacete (80), Oestreich (79) Nittel (62) und Bösiger (42). Bereits in zwei Wochen, am 4. und 6. Juni, steht im spanischen Albacete der dritte Lauf der FIA European Truck Racing Championship an.